00749 C
i. O. d. 17.XI.1942
Liebe Frau Rubens !
Als ich heute mal wieder unter meinen sich allmählich sich
vermehrenden „Klamotten" aufzuräumen versucht, fand ich unter meinen
Briefsachen auch Ihren lieben Gruß vom 30. September. Da wir nun erst vor ein
paar Tagen vorne im Einsatz waren, weiß ich nicht recht, ob ich mich eigentlich
schon bedankt habe. Das will ich nun schleunigst nachholen. Seien sie also für
Ihre Güte vielmals bedankt. Ich verspreche Ihnen, nächstes mal nicht wieder so
unhöflich zu sein.
Augenblicklich geht es mir ganz gut. Der Winter ist hier zwar inzwischen
eingezogen, aber in den letzten 2 Tagen hat sich die Kälte etwas verringert, so
daß wir tagsüber etwa nur – 5 ° haben. Richtig geschneit hat es auch noch
nicht. Bisher sind es nur ein paar Flocken gewesen. Aber der Winter hat ja auch
kalendermäßig noch nicht begonnen. Die Truppen haben bez. Bekommen in diesem
Winter eine ganz ausgezeichnete Ausrüstung, so dass ich persönlich z. T. die
von Mutti mir gesandten Sachen wieder zurückschicke, da ich sie gar nicht alle
unterbringen geschweige dem anziehen kann. Wenn es mit der Verpflegung auch so
gut geht und keine unvorhergesehenen Transportschwierigkeiten auftreten, dann
können wir hier in Russland mit Ruhe den Winter erwarten.
Wenn auch keine Sondermeldung den Fall von Stalingrad verkündet hat, so ändert
das nichts an der Tatsache, dass die Stadt so gut wie in unserer Hand ist. Es
handelt sich bei den Russen nur noch um 2 Brückenköpfe, die von 2 kleinen
Gruppen krampfhaft gehalten werden. Auf jeden Fall aber hat die Stadt für die
Russen ihre Bedeutung verloren, da die wichtigen Werke wie überhaupt die ganze
Stadt nur noch ein Trümmerfeld ist. Auch für uns hat die Stadt als
Winterquartier keine Bedeutung da alle Häuser samt und sonders unbewohnbar sind
und außerdem im Schussbereich der immerhin noch auf dem jenseitigen Wolgaufer
vorhandenen starken feindl. Artillerie liegen. Was noch einigermaßen brauchbar
ist holen sich nun schon seit Wochen die Truppen zum Bau der rückwärtigen
Winterbunker. Auch wir werden wohl bald umziehen. Das wird diesmal ein anderer
Winter als letztes Jahr in Charkow. Na, mal sehen, nebenbei hoffe ich in diesem
Winter auch auf Urlaub fahren zu können.
Nun grüßt Sie herzlichst
Ihr