Brief eines Stalingradkämpfers

 

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Feldpostbrief des Gefreiten Jürgen Schalitz

Angehöriger der 2. / Sturmgeschütz Abteilung 244

Diesen Brief hat er nach einem Einsatz am 17.11.1942 geschrieben.

Seit dem 01.01.1943 gilt der Gefreite Schalitz als "Vermisst in Stalingrad"

 

 

Auf der zweiten Seite in Zeile 5 heißt es ".......keine Sondermeldung den Fall von St. verkündet...." Die

Abkürzung "St." steht hier für "Stalingrad".

 

 

Nachstehend der Brief in Originalabschrift

00749 C                                                                                                                                                         i. O. d. 17.XI.1942

 

 

Liebe Frau Rubens !

 

Als ich heute mal wieder unter meinen sich allmählich sich vermehrenden „Klamotten" aufzuräumen versucht, fand ich unter meinen Briefsachen auch Ihren lieben Gruß vom 30. September. Da wir nun erst vor ein paar Tagen vorne im Einsatz waren, weiß ich nicht recht, ob ich mich eigentlich schon bedankt habe. Das will ich nun schleunigst nachholen. Seien sie also für Ihre Güte vielmals bedankt. Ich verspreche Ihnen, nächstes mal nicht wieder so unhöflich zu sein.

 

           Augenblicklich geht es mir ganz gut. Der Winter ist hier zwar inzwischen eingezogen, aber in den letzten 2 Tagen hat sich die Kälte etwas verringert, so daß wir tagsüber etwa nur – 5 ° haben. Richtig geschneit hat es auch noch nicht. Bisher sind es nur ein paar Flocken gewesen. Aber der Winter hat ja auch kalendermäßig noch nicht begonnen. Die Truppen haben bez. Bekommen in diesem Winter eine ganz ausgezeichnete Ausrüstung, so dass ich persönlich z. T. die von Mutti mir gesandten Sachen wieder zurückschicke, da ich sie gar nicht alle unterbringen geschweige dem anziehen kann. Wenn es mit der Verpflegung auch so gut geht und keine unvorhergesehenen Transportschwierigkeiten auftreten, dann können wir hier in Russland mit Ruhe den Winter erwarten.

 

            Wenn auch keine Sondermeldung den Fall von Stalingrad verkündet hat, so ändert das nichts an der Tatsache, dass die Stadt so gut wie in unserer Hand ist. Es handelt sich bei den Russen nur noch um 2 Brückenköpfe, die von 2 kleinen Gruppen krampfhaft gehalten werden. Auf jeden Fall aber hat die Stadt für die Russen ihre Bedeutung verloren, da die wichtigen Werke wie überhaupt die ganze Stadt nur noch ein Trümmerfeld ist. Auch für uns hat die Stadt als Winterquartier keine Bedeutung da alle Häuser samt und sonders unbewohnbar sind und außerdem im Schussbereich der immerhin noch auf dem jenseitigen Wolgaufer vorhandenen starken feindl. Artillerie liegen. Was noch einigermaßen brauchbar ist holen sich nun schon seit Wochen die Truppen zum Bau der rückwärtigen Winterbunker. Auch wir werden wohl bald umziehen. Das wird diesmal ein anderer Winter als letztes Jahr in Charkow. Na, mal sehen, nebenbei hoffe ich in diesem Winter auch auf Urlaub fahren zu können.

 

 

Nun grüßt Sie herzlichst

                          Ihr

                                                                                                                    Jürgen S.